IRRE SEELEN by Graham Masterton

IRRE SEELEN by Graham Masterton

Autor:Graham Masterton [Masterton, Graham]
Die sprache: deu
Format: mobi, epub
ISBN: 9783865522320
Herausgeber: Festa
veröffentlicht: 2012-11-14T23:00:00+00:00


A C H T

In der grauen Morgendämmerung erreichte er Karens Haus und parkte den Wagen. Jack stieg aus und streckte sich. Er fühlte sich, als hätte man ihn windelweich geprügelt und sein ganzer Körper sei mit blauen Flecken übersät.

Jack beugte sich über die Motorhaube und untersuchte sie sorgfältig, um sicherzugehen, dass er keine verräterischen Blutspuren übersehen hatte. Es war ihm gelungen, den Großteil von Essies sterblichen Überresten in die Böschung zu schaffen, wo ihr hoffentlich Würmer und wilde Tiere den Rest gaben. Der Regen hatte anschließend seinen Teil dazu beigetragen, die letzten Rückstände vom Auto abzuwaschen.

Er befürchtete, dass die Polizei bereits nach ihm suchte. Pater Bell war bestimmt schon von seinem Altenheim in Green Bay als vermisst gemeldet worden und auch nach Olive Estergomy würde man in ihrem Haus in Sun Prairie bald vergeblich Ausschau halten. In beiden Fällen war er derjenige gewesen, den man zuletzt in ihrer Begleitung gesehen hatte.

Jack musste viermal klingeln, bis Karen endlich die Tür öffnete. Sie trug ein schwarzes Babydoll-Nachthemd und ihre Haare waren in Lockenwickler eingedreht. In ihrem Wohnzimmer war es düster und die Luft roch abgestanden. Auf dem neumodischen Couchtisch in Form einer Malerpalette standen neben der Porzellanfigur eines weinenden Kindes eine fast leere Flasche Smirnoff-Wodka und ein mit Lippenstift verschmiertes Glas.

Karen schlang ihm die Arme um den Hals und küsste ihn. Ihr Atem stank nach Alkohol. »Ich habe mir solche Sorgen um dich gemacht«, begrüßte sie ihn.

Jack pellte sich aus seinem Mantel und setzte sich auf das weiße Kunststoffsofa. »Ich weiß nicht mehr weiter, Teufel noch mal«, verriet er ihr. »Überall Leichen, es ist entsetzlich.«

»Ich koche uns erst mal einen Kaffee«, schlug sie vor. »Dann kannst du mich auf den neuesten Stand bringen. Wozu sind Freunde schließlich da?«

Jack erzählte ihr die ganze Geschichte und bemühte sich, nicht hysterisch, sondern gefasst und vernünftig zu klingen und keine wichtigen Details auszulassen. Karen saß neben ihm und hatte ihre Hand auf seine gelegt. Der knallrote Nagellack war teilweise abgebröckelt. Gelegentlich machte sie »Hm-mm, hm-mm« oder »Hm-mm?«, doch sie unterbrach ihn nicht und stellte keine Fragen. Jack war unsicher, ob sie ihm wirklich glaubte.

»Tja, jetzt solltest du besser nicht mehr die Polizei einschalten«, riet sie ihm, als er geendet hatte. »Das wäre – na ja – fast schon Selbstmord. Als würdest du dir selbst die Kehle durchschneiden.«

»Ich weiß aber nicht, was ich sonst machen soll.«

»Jack, Schatz, konzentrier dich drauf, Randy zurückzubekommen.«

»Aber Karen, sie werden Tausende Menschen töten, Tausende im wahrsten Sinne des Wortes. Wenn sie nicht längst damit angefangen haben.«

»Jack, es ist nicht deine Schuld. Du hast getan, was du konntest.«

Doch er schüttelte den Kopf. »Es ist meine Schuld, verdammt noch mal, ja? Es ist meine Schuld, dass Joseph Lovelittle sterben musste, und ebenfalls meine Schuld, dass Pater Bell sein Leben ließ, und auch, dass es Olive Estergomy erwischt hat. Karen, es ist ganz und gar meine Schuld! Sie hätten ja niemals auch nur einen Fuß auf das Gelände gesetzt, wenn ich nicht in ihrem Leben aufgetaucht wäre.«

»Aber warum bist du dorthin gegangen? Weil Quintus Miller es so wollte.



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